Die Wikinger als Krieger

Seeräuber

Zum einen wurden die Wikinger "Salzwasserbanditen mit brutalen Lastern" und zum Anderen „zähe Gentleman des Nordens" genannt. Solche leidenschaftlichen Beschreibungen entstanden seit ihren ersten Raubzügen. Man nannte sie im England des 12. Jahrhunderts auch "Hornisse" und "schreckliche Wölfe".

Jahrhunderte lang verbreiteten die Wikinger (vikingr) Angst, Schrecken und Zerstörung in großen Teilen Westeuropas. Es wurden im 9. und 10. Jahrhundert Klöster, Kirchen und Städte entlang der Nordsee, der Irischen See, der gesamten Atlantikküste, Europas und sogar im westlichen Teil des Mittelmeers überfallen. So entstanden zeitgenössische Chroniken mit hasserfüllten Schilderungen ihrer Übeltaten, welche durch gelehrte Mönche überliefert wurden. Sie griffen die Kirchen und Klöster regelmäßig an, nicht weil sie antichristlich eingestellt waren, sondern weil sich dort die größten Reichtümer befanden. Außerdem wurden diese nur unzureichend beschützt. Die Überfälle beinhalteten auch die Entführung von Äbten, Mönchen und Nonnen. Dadurch entstand eine weitere Einnahmequelle. Denn die Erpressungen von Lösegeldern, oder wenn dieses nicht schnell genug gezahlt wurden, den Verkauf der Gefangenen als Sklaven brachte den Wikingern ein weiteres Einkommen. Allerdings waren sich die Kirchen und Wikinger nicht immer feindlich gesinnt. Denn die frommen Männer zogen im Gegensatz zu den Wikingern eine gütliche Einigung dem Heldenmut vor. So arbeitete z. B. der Erzbischof Wulfher von York mit den dänischen Eroberern zusammen, als diese die Stadt einnahmen.
Allerdings haben die Wikinger nicht nur die Küsten heimgesucht. Durch die Bauweise ihrer Langschiffe, welche einen geringen Tiefgang und eine gute Manövrierfähigkeit hatten, war es ihnen möglich über die Hauptflüsse Europas weit ins Landesinnere einzudringen. Es gab kaum einen Flusslauf, der dem wikingischen Beutedrang entging. Somit mussten im gesamten Westen heilige und wertvolle Reliquien in Sicherheit gebracht werden. So wurden unter anderem die Gebeine des heiligen Columba von der Hebrideninsel Iona nach Kells in Irland gebracht. Die des heiligen Cuthbert wurden von der Lindisfarne, an der Küste Northumbriens, nach Durham gebracht. Die des heiligen Philibert von der Insel Noirmoutie an der Loiremündung nach Tournus.
Allerdings sollte nicht der Irrglaube entstehen, dass die Wikinger nur zur See fuhren, um Beutezüge zu machen. Denn unter ihnen gab es auch Händler sowie Wikinger, die als Siedler eine neue Existenz gründen wollten. Oder aber Söldner, die in den Dienst eines jeden traten, der genügend Gelder zahlte. Raubzüge waren trotzdem das Kennzeichen der Wikingerzeit und so leben die Wikinger als Räuber in der Erinnerung weiter.

Ausrüstung der Wikingerkrieger

Zu der Ausrüstung der Krieger zählten nicht nur die Rüstungen und die Waffen, sondern auch die Schiffe. Denn nur durch den fortschrittlichen Schiffsbau und deren gut durchdachten Eigenschaften konnten die Wikinger so erfolgreich agieren.
Zu den wichtigsten Waffen gehörten die Schwerter. Durch die hohe Schmiedekunst der Wikinger konnten in den Schwertern, zweischneidige Klingen mit einem hohen Schärfegrad und somit höchste Wirksamkeit vereint werden. Außerdem waren die Schwerter so gefertigt, dass diese mit nur einer Hand zu führen waren. Nach heutigen Erkenntnissen stammten die besten Klingen jedoch aus dem Rheinland. Dort wurden die Waffen mit äußerster Sorgfalt gefertigt, was sich auch oft in der kunstvollen Ausführung der Griffe darstellte. In Gräbern der Wikinger fand man neben dem Schwert auch häufig den Speer. Das lässt den Rückschluss zu, dass die Krieger auch Wurfspieße und Stoßlanzen nutzten. Wobei sich auch dort das Erscheinungsbild unterschied. Die schönsten Stücke hoben sich durch reichliche Verzierungen ab.
Zweifellos denkt man im Zusammenhang mit den Wikingern als Erstes an Äxte. Sicherlich wurden im Kampf häufig Äxte benutzt. Dieses zeigt sich in dem Stein von Lindisfarne. Dort ist beispielsweise eine Szene eingearbeitet, die darstellt, wie eine Axt geschwungen wird. Äxte befanden sich auch unter den Waffen zur Zeit Wilhelms des Eroberers und seiner Invasionsflotte. Eine dazugehörige Szene wird auf dem Teppich von Bayeux dargestellt.
Neben den Waffen, die die Wikinger zum Angriff benutzten, waren auch Schilde zum Schutz vorhanden. Diese wurden aus einem Holzbrett mit einem eisernen Schildbuckel in der Mitte zum Schutz der Hand hergestellt. Neben dem Schild zur Verteidigung gab es kaum weitere Möglichkeiten sich im Kampf zu schützen. Denn auch wenn der Mythos, dass Wikinger gehörnte Helme trugen, kaum noch aus den Köpfen zu bekommen ist, ist und bleibt es nur ein Mythos. Die eigentliche Kopfbedeckung bestand lediglich aus einer einfachen Lederkappe. Wirkliche Eisenhelme wurden selten getragen, was sich auch in den seltenen Pfunden von Eisenhelmen widerspiegelt. Ein gut erhaltener Eisenhelmfund in einem norwegischen Wikingergrab aus dem 10. Jahrhundert zeigt eine runde, einfach gearbeitete Kappe. Diese wurde aus mehreren Teilen zusammengesetzt. Sie beinhaltete einen Schutz für Augen und Nase. Seltene Darstellungen von Helmen mit Hörnern sind allerdings auch vorhanden. Diese wurden aber nur zu besonderen Anlässen getragen, wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Odinkult. Sie wurden aber nicht im Kampf getragen.
Um den Körper im Kampf zu schützen, gab es nur die Möglichkeit ein Kettenhemd zu tragen. Aber diese waren während der Wikingerzeit eine Seltenheit. Ein Kettenhemd war wohl ausschließlich norwegischen Häuptlingen vorbehalten, die neben ihrem Helm auch ein Kettenhemd besaßen. Das Kettenhemd setzte sich erst am Ende der Wikingerzeit erst durch.
Im Laufe der Zeit fanden Pferde für die Schlacht immer mehr an Bedeutung. Die Wikinger wurden dann nicht mehr nur mit ihren Waffen bestattet, sondern auch mit ihrer Reiterausrüstung.

Wikingersöldner

Seit der frühesten Wikingerzeit scheinen immer ausreichend Männer bereit gewesen zu sein sich als Kämpfer verdient zu machen. Beispielsweise in Irland beteiligten sich Wikingertrupps als Söldner an den zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen den Grafschaften des Landes. Lothar sicherte sich in Friesland die Dienste Haralds und Roriks. Der Preis dafür war die Insel Walcheren.
Das berühmteste Söldnerunternehmen war die Wäringer-Garde des Kaisers von Byzanz. Nach ersten Kontakten der Wikinger und der kaiserlichen Hauptstadt sollen diese in der kaiserlichen Leibwache gedient haben. Es entstand 911 ein Vertrag zwischen den Rus, den Skandinaviern, die in Russland ansässig oder tätig waren und den Byzantinern. Dieser enthielt eine Klausel hinsichtlich der Rus, die in der kaiserlichen Leibgarde dienten. "Wäringer" wurden im Allgemeinen die Wikinger von den Byzantinern genannt.
Im Laufe des 10. Jahrhunderts bildeten sie keine besondere Truppe innerhalb der Leibgarde. Das berühmteste Mitglied war Harald Sigurdson, der später auch der „Harte“ genannt wurde. Er war von 1047 bis 1066 der König von Norwegen, bis er im Kampf um England starb. Harald der Harte hatte all die Eigenschaften der Skandinavier, die sie befähigten, in ganz Europa und über den Atlantik hinaus in die westliche Hemisphäre vorzudringen. Das militärische Geschick und die Verwegenheit der Wikinger, die Bereitschaft zu jeder Zeit ihr Leben zu riskieren, machte sie zu dem, was sie waren. Die Zusammensetzung der Garde änderte sich gegen Ende des 11. Jahrhunderts in zahlreiche Angelsachsen, die England nach der normannischen Eroberung verlassen hatten. Im Jahre 1066 nach der Schlacht bei Hastings flohen zahlreiche Engländer nach Byzanz, um in der Garde aufgenommen zu werden. Man hörte dann nur noch von Engländern in der kaiserlichen Leibgarde von Byzanz.

Weiterführende Beiträge

Siehe auch die Beiträge über die Raubzüge auf Britannien, Frankreich und Europa, Spanien und das Mittelmeer sowie die Rückkehr nach Britannien.